Standesamt Shooting

Standesamt Shooting

Fotograf bei standesamtlicher Trauung? Aber klar!

Viele Brautpaare geben sich nach der standesamtlichen Trauung noch einmal in einer Kirche oder im Rahmen einer freien Zeremonie das Ja-Wort. Sei es, weil der Segen Gottes den beiden für ihren weiteren Lebensweg fundamental wichtig ist, oder eine freie Trauung vermeintlich individueller und vor allem persönlicher und romantischer gestaltet werden kann.

Oftmals höre ich dann, dass es für diese bürokratische und trockene Vermählung auf der Behörde keiner Begleitung durch einen Fotografen bedarf. Die „richtige“ Trauung folge ja erst im Anschluss oder gar ein paar Wochen später und man möchte den Rahmen auf dem Amt klein halten und das Budget schonen.

Doch ist die Trauung auf dem Standesamt tatsächlich so unromantisch und bürokratisch? Oder bereut man es am Ende doch, bei der standesamtlichen Trauung auf professionelle Bilder für die Ewigkeit verzichtet zu haben?

Den Dankesbrief einer lieben Braut, die ich am schönsten Tag ihres Lebens begleiten durfte, möchte ich euch zu diesem Thema nicht vorenthalten. Mit ihrem Einverständnis möchte ich euch diesen gern zu Lesen geben. Denn er verdeutlicht auf rührende aber am Ende auch traurige Art und Weise, warum man auch auf dem Standesamt herzzerreißende, romantische und rührende Szenen erleben kann und es mehr als schade ist, wenn man daran keine bleibenden Erinnerungen hat.

Düsseldorf, 27. September 2017

Lieber Ralf,

auf diesem Wege möchten wir uns ganz herzlich bedanken, dass du uns am Tag unserer Hochzeit mit der Kamera begleitet hast! Wir waren so gespannt auf die Bilder und sind mehr als begeistert vom Ergebnis. Wahnsinn, wie viele Fotos das sind. Wir haben natürlich unsere Eltern und auch meinen Bruder zum gemeinsamen Anschauen eingeladen und wir haben alle Szenen und Momente entdeckt, die uns an dem Tag gar nicht aufgefallen sind. Es ist, als würde ich die Hochzeit noch mal erleben, aus einer ganz anderen Perspektive. Wahnsinn!

Allerdings bin ich auch etwas traurig! Das liegt aber nicht an dir und deiner Arbeit, keine Angst. Das liegt daran, dass ich von unserer standesamtlichen Trauung am Morgen keine solchen Bilder habe! Ich weiß, wir wollten das so. Ich war ja auch der Meinung, dass es auf dem Standesamt eher nüchtern zugeht. Ohne große Emotionen. Wir hatten ja eigentlich auch nichts Besonderes gewollt. Rein, unterschreiben, raus. So war der Plan. Aber irgendwie ist es ja dann doch anders, als man sich das auf einem Standesamt so vorstellt.

Das ging schon damit los, dass mein Mann beim Einmarsch weinen musste und er das auf ewig leugnen wird auch nur eine Träne vergossen zu haben ;-). Und auch danach war das Ganze romantisch und schön. Der Saal war geschmückt und viele unserer Gäste vom Nachmittag waren auch schon dabei. Vor allem meine Eltern hat das Ganze mitgenommen. Mein Papa war so gerührt, so hab ich ihn noch nie gesehen! Klar war es am Ende „nur“ eine Unterschrift. Aber das war in dem Moment so aufregend, dass ich richtig gezittert habe beim Stift ansetzen. War ja auch die erste Unterschrift mit meinem neuen Namen. Und auch wenn es am Nachmittag in der Kirche richtig romantisch und auch sehr rührend war, ab dem Moment im Standesamt waren wir offiziell verheiratet. Naja, und dann kamen die Glückwünsche und die ersten Tränen kullerten auch bei mir! Das hätte ich auch mal nicht gedacht, dass ein formeller Akt mich mal so aus der Fassung bringt :-)

Am meisten vermisse ich die Erinnerungen an unseren Auszug aus dem Standesamt. Viele unserer Arbeitskollegen und Freunde waren gekommen und haben uns überrascht. Als wir rauskamen standen schon alle Spalier und irgendjemand hat wohl Reis an alle verteilt. Wie im Film dachte ich noch. Meine Schwägerin hatte meinen Nichten sogar Blumenkörbchen gegeben und die beiden liefen vor uns her und haben Blüten gestreut.

Ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Das obligatorische Herz auf dem Bettlaken und die Nagelschere hatten sie nicht vergessen und irgendjemand hat sogar einen Baumstamm und eine Säge samt Bock angeschleppt. Ich war so überwältigt und sagte meiner Mutter schnell, dass sie mal bitte ein paar Fotos von dem Ganzen Spektakel machen soll.

Naja, das Spalier, die Blumenkinder und der Reisregen waren ja nun schon vorbei und Mama hat den Satz „ein paar Bilder machen“ sehr wörtlich genommen. Es waren dann ganze 13 Fotos auf denen in erster Linie mein Mann und ich drauf waren! Toll, oder? Und von unseren Kollegen, Freunden usw. haben wir nur mal im Hintergrund einen Arm gesehen.

Lange Rede kurzer Sinn. Wir sind überglücklich, dass wir die Bilder von unserer kirchlichen Trauung und der Feier haben, aber auch ziemlich traurig, dass unsere „richtige“ Hochzeit, die Emotionen und Überraschungen unserer Freunde und Kollegen nicht mit dabei sind. Irgendwann vergisst man doch alles irgendwie und ehrlich gesagt waren wir an dem Tag so aufgeregt und unter Strom, dass wir das alles gar nicht so richtig begreifen konnten. Auf deinen Fotos kam dann immer mal ein „Ach so, das war ja da…“ und „ach der hat das mitgebracht“ und oft „Ey, das hab ich gar nicht mitgekriegt“.

Ich weiß, du hast uns damals angeboten das Standesamt mit zu fotografieren und hast auch gesagt, dass es bestimmt schade wäre, wenn das fehlt, aber du hast es uns eben auch nicht aufgeschwatzt. Was ich besonders toll bei dir finde. Aber am Ende ist man schlauer! Ich hätte lieber die 250 Euro für die Brautunterwäsche gespart, denn so kaputt, wie wir nach dem Tag waren, hat die mein Mann nicht mehr gesehen ;-) Dafür hätten wir dich aufs Standesamt mitgenommen und hätten jetzt was für die Ewigkeit.

Nicht dass das falsch ankommt, das soll überhaupt kein Vorwurf sein! Du hast alles toll und wunderbar gemacht und uns auch super beraten. Wir haben leider an der falschen Stelle gespart, weil wir aber auch andere Vorstellungen von einer Trauung auf dem Standesamt hatten. Aber es ist schade, wenn es anderen auch so geht. Vielleicht kannst du deinen nächsten Paaren auch mal erzählen wie emotional und aufregend es da zugehen kann. Wenn du willst, kannst du ihnen auch gern von uns erzählen. Man kann ja auch aus den Fehlern der anderen lernen ;-)

Bis bald (das nächste werden Babybilder!!!), liebe Grüße und noch einmal ein gaaaaaanz dickes Dankeschön
Isabel und Jürgen